Donnerstag, 25. Januar 2018

Das Ende des Horizon Reports?

Man kann über jährliche Listen und Berichte schimpfen oder sich auf sie freuen. Die JIM-Studie und Jane Harts Top 200 Tools (jedes Jahr), die OÖ Jugend-Medien-Studie (alle zwei Jahre), die Ergebnisse von PISA (alle drei Jahre). Oder eben den Horizon Report. Und jetzt ist er nicht mehr. Das New Media Consortium ist insolvent (man lese hier und hier nach) und somit ist der Horizon Report 2018 wohl der letzte, der auf den Markt kommt, wie Bryan Alexander schreibt.

Quelle: Pixabay (CC0)

Gedacht als ein visionäres Element ist der Horizon Report so etwas wie ein Gradmesser (gewesen). Was die Expertinnen und Experten in den USA so geschrieben haben, gab uns einen Einblick in die (aufkommenden und) aktuellen Entwicklungen und Trends. Dass vieles davon anders gekommen ist, hat Stephen Downes 2015 mit Blick auf die Jahrgänge 2010-2014 zusammengefasst. Aber man darf nicht vergessen: Hier wurden Visionen gesammelt und kein IST-Zustand beschrieben. Bryan Alexander macht sich Gedanken darüber, wie es weitergehen kann. Ein lesenswerter Beitrag.

Nachtrag: E-Learning-Trends und -Tendenzen vorauszusagen, bleibt aber sicherlich ein spannendes Feld - hier beispielsweise eine Hype Curve für 2018.

Mittwoch, 24. Januar 2018

Wissen als Wegwerfprodukt?

Markus Väth hat mich mit der Überschrift seines Blogposts Wissen wird zum Wegwerfprodukt zum Nachdenken gebracht. [Der Inhalt des Posts geht zwar in eine andere Richtung als ich sie gedacht habe, stimmt aber jedenfalls auch irgendwie, soll aber hier nicht Thema sein.] Ich dachte dabei eher in die Richtung: Wir leben in einem Zeitalter, nennen wir es die Wissensgesellschaft oder anders, in der rasant viele Daten und auf diese aufbauen auch Informationen generiert werden. Das Wissen jedoch explodiert nicht gleichermaßen.

Quelle: Pixabay (CC0)

Punkt 1: Ja, wir müssen zwischen Daten, Informationen und Wissen unterscheiden, wenngleich es gerade aus der Umgangssprache heraus sehr ähnlich klingt.

Wir müssen aber lernen, mit diesem vermeintlichen Wissen – also eher den Daten und Informationen umzugehen, um daraus a) Wissen zu generieren und b) handhabbar zu machen. Damit meine ich, was George Siemens (@gsiemens) vor einer gefühlten Ewigkeit als Connectivism angedacht hat. Wir können nicht mehr alles wissen, wir müssen aber lernen, an den richtigen Stellen zu suchen oder die richtigen Knotenpunkte in unserem Netzwerk aufzurufen. So wie der Telefonjoker in der Millionen Show. Und auch wenn ich nicht glaube, dass der Konnektivismus wirklich die Lerntheorie des digitalen Zeitalters ist (ich stoße mich ja auch an der Attribuierung „digital“ in Kombination mit „Zeitalter“), so glaube ich doch, dass wir in einer netzwerkorientierten Gesellschaft leben (Stichwort: Social Media), in der das Wissen geteilt wird, womit ich wieder zurück zu Thomas Väths Blogpost und meinen letzten Posts zum Thema Open Educational Resources und Open Educational Practices komme. 

Schauen wir uns mal an, was in einer Minute im Internet so passiert. Oder wie häufig wir Messenger-Dienste pro Minute verwenden. Wir stehen in ständigem Austausch mit unserem Netzwerk. Wir lernen voneinander im Netzwerk (Stichwort: Informelles Lernen). Wir tauschen uns aus. Und wir müssen damit umgehen lernen.

Punkt 2: Wir brauchen neue Kompetenzen und Skills, auch hier sollte zwischen den Begriffen getrennt werden, denn sie meinen eigentlich nicht das gleiche. 

Joël Krapf hat sich dieser Kompetenzen angenommen und zwei interessante Blogposts dazu verfasst:
Der Autor geht dabei nicht primär didaktisch an das Thema heran, sondern nähert sich auf einer Metaebene unter dem Fokus der „digitalen Arbeitswelt“ (auch hier bin ich mit der Attribuierung „digital“ nicht glücklich). Welche Kompetenzen brauchen wir in der Arbeitswelt aktuell und wie könnte dies in einigen Jahren aussehen?

Punkt 3: Schule muss aufhören, heute Inhalte von gestern für die arbeitende Generation von morgen zu vermitteln.

Quelle: Pixabay (CC0)

Auch die Ausbildung muss sich verändern. Wenn ich mir ansehe, dass es Studien dazu gibt, ob die Lernergebnisse von Schülerinnen und Schülern sich verbessern, wenn ihre Eltern eine wöchentliche Textnachricht über Lernerfolg, fehlende Aufgaben oder die Anwesenheit der Kinder bekommen, dann lässt mich das den Kopf schütteln. Gleichzeitig wird gezeigt, dass Clickers nicht unbedingt zum Deeper Learning beitragen, aber das Faktenlernen unterstützen – siehe dazu auch den immer noch aktuellen Artikel zum Kahoot!-Sog von Philippe Wampfler (@phwampfler)

Punkt 4: Digitale Medien sind nicht das Allheilmittel. (Wogegen denn eigentlich?)

Vor mehr als zwei Jahren hat Axel Krommer (@mediendidaktik_) einen Blogpost mit dem Titel Welchen Mehrwert haben digitale Medien für das schulische Lernen? geschrieben. Sollten wir also die Inhalte überdenken? Sollten wir auf die Informationsexplosion antworten? Das Umschreiben von Lehrplänen bedarf einiger Zeit, gleichzeitig handelt es sich um Rahmenlehrpläne. Ich lege hier allen den Beitrag Das Digitale in der Schule – Mehrwert oder ein Wert an sich? von Gerhard Brandhofer (@rationalekritik) ans Herz, der sich aufgrund unterschiedlicher Perspektiven für ein Sowohl-Als-Auch entscheidet.

Wie Digitalisierung schlechte Didaktik verfestigt schreibt Philippe Wampfler. Und seine Kritik trifft ins Schwarze. Solange wir nach richtigen und falschen Antworten beurteilen, solange wir nicht in einen Austausch miteinander treten, solange bleiben wir beim Ausbilden und entfernen und vom Bilden. Bildung und Ausbildung sind zwei unterschiedliche Konzepte. Die Kinder und Jugendlichen von heute müssen lernen, mit Fake News umzugehen – siehe dazu den Artikel Navigating post-truth societies, der die Notwendigkeit betont, die Vertrauenswürdigkeit und Verlässlichkeit der einzelnen Knotenpunkte in einem Netzwerk oder auch der Filterblase zu hinterfragen.

Tanner Higgin nennt im Blogpost Making Media Literacy Central to Digital Citizenship fünf zentrale Punkte, die uns allen am Herzen liegen sollten:
1. Help Students Identify the Intent of What They Watch
2. Be Aware That the Web Is a Unique Beast
3. Turn Active Viewing into Reactive Viewing
4. Transform Students’ Video Critiques into Creations
5. Empower Students to Become Advocates
Und auch so manchem Erwachsenen würde es nicht schaden, sich dieser Punkte immer wieder bewusst zu werden. Wir sind Vorbilder und sollten uns auch so verhalten. Wenn ich mir aber ansehe, was der eine oder die andere in meinem Netzwerk postet, dann schüttle ich einfach nur den Kopf. Aber wahrscheinlich denkt mein Netzwerk von mir ähnlich.

Donnerstag, 18. Januar 2018

Kommunikation im #digitalen #Lehrerzimmer

Das Jänner-Thema der Bildungspunks Digitale Kommunikation im Lehrerzimmer streift mich ja nur ein wenig. Ich bin zur Zeit nicht im aktiven Schuldienst und habe kein Lehrerzimmer, außer das digitale #Twitterlehrerzimmer. Aber dennoch arbeite ich in der Lehre und mache auch gerne Team-Teaching und hier kann ich meine Kommunikationswege – beim derzeitigen Wetter notwendig – vom Schnee freischaufeln und euch zeigen.
Quelle: Pixabay (CC0)

Cloud-Dienste


Allgemein

Da ich mit unterschiedlichen Institutionen zusammenarbeite, nutze ich auch mehrere cloudbasierte Dienste, wie die Dropbox, OneDrive, GoogleDrive, aber auch Sharepoint beispielsweise. Diese werden zur gemeinsamen Datenablage genutzt, auch zum gemeinsamen Texte schreiben, zum Korrigieren von Arbeiten. Was früher per Mail im Kreis geschickt wurde, liegt jetzt an einem Ort, den man sich vorab ausmacht, wo gemeinsam gearbeitet werden kann. Dass es beim kollaborativen Schreiben aber auch zu Problemen kommen kann, habe ich mit einem Kollegen anhand der unterschiedlichen Ausformungen der Zusammenarbeit in einem Artikel behandelt. Hier gilt: Vorab klare Regeln ausmachen und auch ein Backup vorsehen. Weniger Versierte sollten vorab vielleicht auch eine Einführung in die Tools bekommen, bevor die Dropbox beispielsweise versehentlich geleert wird.

Spezifisch

Wenn wir gemeinsam an Texten arbeiten, dann nutze ich gerne Zotero, um die Bibliographie gemeinsam zu erstellen und sich hierzu auch austauschen zu können. Protokolle und Notizen werden nicht selten in OneDrive oder Evernote abgespeichert. Auch hier muss vorab erklärt werden, welches Tool in welcher Form und in welcher Benennung. Tipp: Markante Schlagworte zu setzen, hilft bei der Suche nach Notizen.

Lernplattform


An beinahe allen Institutionen, an denen ich lehre, gibt es eine Lernplattform und zu beinahe 100% heißt diese Moodle. Moodle ist sowas wie ein Alleskönner. Hier werden Dokumente gesammelt, in Foren wird diskutiert, Nachrichten (Mitteilungen) intern verschickt. Es gibt an zahlreichen Institutionen zu einzelnen Lehrgängen begleitende Organisations-Moodle-Kurse. Ich finde das sehr praktisch, weil ich mir nicht die Frage stellen muss, welchen Cloud-Dienst diese eine Institution aus welchen Gründen bevorzugt und welches Kommunikationstool hierzu zusätzlich genutzt wird.

Kommunikationswerkzeuge


Bei den Kommunikationsformen, ja da bin ich dann wahrscheinlich auch beim Kernthema quasi, da gibt es grundsätzlich zwei Formen, die ich unterscheiden möchte und bei denen ich eine Vermischung auch irgendwie befremdlich finde: Kurzformen und Langformen.

Kurzform

Wenn ich mir mit Kolleginnen und Kollegen schnell etwas ausmachen möchte, dann wähle ich Messenger-Dienste, allen voran WhatsApp, mit Jugendlichen auch gerne Snapchat oder den Facebook-Messenger. Und wenn ich am Computer bin, sind zusätzlich auch Skype und Tweetdeck geöffnet. Hier werden, wie früher SMS oder auch auf ICQ, kurze Nachrichten in schneller Taktfolge geschrieben. Hier erwarte ich mir (für mich) schnelle Reaktionszeiten und eher keine Diskussionen, die in die Tiefe gehen. Und dabei verwende ich mit einigen Menschen mehrere Tools und mit anderen kommuniziere ich nur auf einem Kanal (Wie es dazu kommt? Eine spannende Frage.)

Langform

Wenn die Kommunikation eher in die Tiefe gehen sollte, dann greife ich gerne auf das E-Mail zurück. Hier erwarte ich mir dann auch Anrede, Hauptteil und Verabschiedung und einen weniger schnellen Rhythmus. Also eher längere, elaboriertere Texte (wie bei Briefen früher). Ich gehöre wohl zur alten Schule in dieser Hinsicht.

Fazit


Quelle: Pixabay (CC0)
Eine relativ große Palette an Tools, die ich hier für die digitale Kommunikation wähle, wie ich jetzt beim Schreiben auch merke. Und dazu die Erkenntnis, dass ich in letzter Zeit sehr gerne dazusage: Wie wäre es, wenn wir telefonieren oder skypen? Manches lässt sich eben doch leichter mündlich besprechen, als schriftlich. Wenngleich ich gerade im Privaten auch eher zur „Ich schicke lieber 100 kurze Nachrichten auf WhatsApp als einen Anruf zu tätigen“-Mensch bin. Und ich dienstlichen Bereich bin ich einfach froh, wenn ich vieles (oder alles) schriftlich habe. Das gibt mir Sicherheit und lässt mich auch nachsehen, wenn ich das Gefühl habe, etwas vergessen zu haben. Andererseits werde ich auch nicht so gerne angerufen, meistens halt. Weil ich dann nichts zu schreiben habe, weil ich den Kalender am Smartphone habe und nicht einfach so, schnell etwas nachschauen kann. Also vielleicht doch nicht so ganz die alte Schule...

Donnerstag, 11. Januar 2018

Meine Filterblase funktioniert

Gerade erst über Filterblase und über Open Educational Resources geschrieben und schon wieder drängt sich ein Blogbeitrag auf, wenn auch ein kurzer.

Quelle: Pixabay (CC0)

Am Montag hat Michael Lanzinger, seines Zeichens Rechtsanwalt und spezialisiert auf digitale Medien, digitale Bildung und Open Educational Resources, für die Virtuelle Pädagogische Hochschule eine eLecture zum Thema Urheberrecht für Lehrende gehalten (hinter dem Link versteckt sich auch die Aufzeichnung). Da musste ich dabei sein. Das versteht sich. Hier meine fünf Learnings knapp zusammengefasst.
  • Creative Commons-Lizenzen sind für die Online-Nutzung konzipiert worden, was man beispielsweise am Problem der Attribuierung im 3D-Druck merkt. 
  • Ein bloßer Mouse-over reicht zur Attribuierung nicht aus. Die Attribuierung muss sichtbar erfolgen.
  • Die Unterscheidung von Schulbuch bzw. Lehrbuch zu „normalem“ Buch ist nicht so einfach. Michael Lanzinger hat hierzu aber auch einen eigenen Artikel geschrieben (EPUB des Buches zum Download).
  • Das Verlinken auf die Originalquelle ist immer erlaubt, problematisch (da verboten) ist das Herunterladen und erneute Hochladen (und somit die Zurverfügungstellung) von Inhalten. Hierzu gibt es auch einen Artikel in Hinblick auf Embedding und Framing, was auch das Zeigen von YouTube-Videos im Unterricht einschließt.
  • Wenn ich Creative Commons-Inhalte attribuiere, reicht es nicht, den Licence Deed (also die Kurversion der Lizenz) zu verlinken, sondern ich muss jeweils den Legal Code (also die Langversion der Lizenz) verlinken.
Und weil mir immer wieder Beiträge zum und rund um das Thema in die Timelines der unterschiedlichen Social Media Netzwerke gespielt werden, hier noch vier mE wertvolle Links:
  • Kristina (@fraudromedar), die Frau mit dem Dromedar arbeitet gerade gerne mit Adobe Spark und ThingLink und braucht dafür Ressourcen, die sie auch verwenden darf. Kurzerhand hat sie dazu unter Lizenzfreie Bilder finden – Pad-agogisch wertvoll Vol. 13 gebloggt.
  • Wer kennt es nicht? Man findet auf Wikimedia ein Bild, das einem gefällt und man möchte voll motiviert die Attribuierung richtig machen. Man sucht die Teile zusammen, man schaut und überprüft und hofft, es richtig zu machen. Diese Arbeit nimmt einem der Lizenzhinweisgenerator ab. Ein tolles kleines Werkzeug. Danke Ines Bieler (@seni_bl) für diesen Hinweis.
  • Die Webseite Educational Technology and Mobile Learning gibt ja immer wieder gute Überblicksbeiträge mit Ressourcensammlungen heraus. Anfang 2018 haben sie eine Seite zu 9 Great Websites for Free Images to Use in Class and School Projects gepostet. Ich habe mir die einzelnen Seiten nicht in Bezug auf die Lizenzen angesehen, aber die meisten davon sind ohnehin bekannt und tauchen immer wieder auf. Aber eben nur die meisten…
  • Das Bundesministerium für Bildung (BMB) hat eine Webseite (entwickelt von KnowledgeFox) veröffentlicht, auf der man sich über Urheberrecht & freie Lizenzen für Lehrkräfte nicht nur informieren kann, sondern in Mikroeinheiten lernen kann. Drei Kurse stehen nach einer kostenfreien Registrierung zur Verfügung, wobei mit 0 zu zählen begonnen wird. Kurs 2 beschäftigt sich mit Open Educational Resources, freie[n] Lizenzen & [der] schulische[n] Praxis und besteht aus 25 Karten. Als Einstieg sind die Lerneinheiten wahrscheinlich zu schwierig, aber wenn man schon eine gewisse Basis hat, so sind sie nicht ganz unspannend, um Mythen und Irrglauben aufzudecken oder aber das eigene Wissen zu bestätigen. Danke Thomas Nárosy (@thomasnarosy) für den Hinweis.
Mit den Mikroeinheiten beim Lernen liegt dieses Weiterbildungsangebot jedenfalls voll im Trend, glaubt man der Filterblase:
Ich brauche zum Lernen jeweils einen Wechsel aus längeren und kürzeren Einheiten, aus schnelleren und langsameren Teilen. So wie es in der Musik ja schon seit jeher Tradition hat...

Mittwoch, 10. Januar 2018

Raus aus der Filterblase

Digital affine, social-media-begeisterte Menschen neigen dazu, sich eine Filterblase aufzubauen und diese auch auszuweiten. Man folgt jenen Menschen, die Dinge schreiben, die für einen selbst interessant sind, man abonniert Zeitschriften, man tritt den entsprechenden Gruppen bei. Nicht, dass es früher nicht auch so war, als man nur eine Tageszeitung hatte und das öffentliche Fernsehen aus zwei Sendern bestand. Ein Informationsmonopol war früher auch schon vorhanden, zumindest in Österreich. Heute kreiere ich mir diese Filterblase aber selbst. Ich muss schließlich in der Informationsflut irgendwie zurechtkommen, oder nicht?

Quelle: Pixabay (CC0)

Nun, ich halte es ein wenig anders und habe bewusst Kanäle und Personen abonniert, die meiner Meinung und meinen Ansichten diametral entgegenstehen. Weil sie mich zum Nachdenken bringen, mich meine eigene Position hinterfragen und in Frage stellen lassen und weil sie neue Perspektiven mit sich bringen. Man kann schließlich auch ex negativo lernen. Das predige ich und lebe es folglich auch.

Das ist auch der Grund, warum ich Manfred Spitzer (Digitale Demenz, Lernen: Gehirnforschung und die Schule des Lebens und Dopamin und Käsekuchen: Hirnforschung à la carte sowie Vorsicht Bildschirm!: Elektronische Medien, Gehirnentwicklung, Gesundheit und Gesellschaft) zumindest an-, einiges auch fertig gelesen und auch live gehört habe. Und das ist auch der Grund, warum ich mir gestern Konrad Paul Liessmann an der Universität Graz angehört habe. Ich habe seine Theorie der Unbildung gelesen. Ich habe in den Weihnachtsferien Wer hat dir gesagt, dass du nackt bist, Adam? gelesen und finde den Wechsel mit Michael Köhlmeier großartig. Bildung als Provokation habe ich nur angelesen und dann weggelegt. Nicht, dass es sich bei beiden, Spitzer und Liessmann, nicht um kluge Menschen handelt, aber ihre Entweder-Oder-Verteufelungsposition ist so überhaupt nicht meine.

Ja, aber...


Es bedurfte nur weniger Momente, bis Liessmann die Digitalisierung per se verteufelte und zu einem Rundumschlag gegen DAS Digitale in der Bildung ausholte. Ganz philosophisch zeigte er auf, woran es im Bildungssystem scheitert, ohne Lösungen zu liefern. Dialektisch lieferte er Thesen und Antithesen, die Synthese aber blieb aus. Der Begriff der „Bildung“ und ihre Komposita wurden als leere Worthülsen entlarvt, mit denen gerade stark gearbeitet, über die diskutiert und mit denen Geld verdient wird – Moment, wie heißt Liessmanns Buch noch gleich? – Beispiele und Anekdoten unterfütterten seine Gedanken. Alles in allem sehr amüsant anzuhören, vor allem aber traf er den Geschmack des Publikums.

400 Millionen Euro für die Ausstattung mit Tablets an Österreichs Schulen sind da, aber die 50 Millionen für Stützlehrer/innen für Schüler/innen mit Migrationshintergrund und sprachlichen Defiziten nicht. Allgemeines Kopfnicken und Applaus. Es gibt keine einzige Studie, die untermauert, dass digitale Medien beim Lernen helfen. Ganz im Gegenteil. Allgemeines Kopfnicken und Applaus. Das Faktenwissen wird aus den Lehrplänen verdammt. Lehrer/innen dürfen keine Fakten mehr abprüfen, sie dürfen nur mehr kompetenzorientiert unterrichten. Und das in einer Zeit, in der mit dem Aufkommen der Alternative Facts gerade großer Wert auf die Fakten gelegt werden sollte. Allgemeines Kopfnicken und Applaus.

Und ja, er hat ja nicht Unrecht. Konrad Paul Liessmann gilt als Provokateur. Er regt zum Nachdenken an, mich zumindest. Ich hätte gerne auf seine Aussagen mit „Ja, aber…“ geantwortet. Die Aussagen sind pauschal und undifferenziert, es gibt nur Schwarz und Weiß. Dazwischen ist nichts zu finden. Aber klar, er möchte ja, so wie Manfred Spitzer auch, seine Bücher verkaufen. Und wir brauchen ja auch Menschen, die Thesen aufstellen, die von anderen dann überprüft und dann angenommen, angepasst oder gänzlich verworfen werden. Beide schaffen es jedenfalls, dass über Bildung gesprochen wird. Und dass sich Sigrid Hartong in der anschließenden Diskussion, die wenig diskursiven denn eher monologischen Charakter hatte, zur Aussage hinreißen ließ, dass auch der Kompetenzbegriff eine leere Hülse sei (die Originalaussage war viel drastischer, ich habe hier objektiviert). 

Bildung ist nicht gleich Ausbildung


Was wir nun aber wirklich brauchen, ist eine differenzierte Diskussion über Bildung und vor allem eine Abgrenzung zur Ausbildung und zum Fort- und Weiterbilden im Sinne des Lifelong Learnings, weil diese drei Aspekte nicht getrennt wurden. Als Beispiel wurde der Mediziner (ja, gendersensibel war der Abend nun wahrlich nicht) genannt, von dem wir uns erwarten, dass er Fachwissen hat, wenn er uns operiert. Ja, aber das ist seine Ausbildung und nicht seine Bildung, hätte ich gerne geantwortet. Man erwarte ja auch, dass er sich ständig informiert und immer am neusten Stand ist. Ja, aber das ist die Fort- und Weiterbildung als Anschluss an die Ausbildung und hat mit Bildung per se auch wenig zu tun. In der Allgemeinsprache verschwimmen diese Begriffe zunehmend, was sehr schade ist.

Korrelation ist nicht gleich Kausalität


Was auch verschwimmt, was ebenso schade ist, ist der Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität. Schüler/innen lernen schlechter, weil sie digitale Medien nützen (müssen). Lehrer/innen unterrichten keine Fakten mehr, weil sie sich auf Kompetenzen konzentrieren (müssen). Eine hohe Korrelation bedingt keine Kausalität, auch wenn etwas „logisch“ erscheint auf den ersten Blick. 

Also?


Öffnet eure Filterblase, lasst kritische Positionen zu, lest Spitzer, Liessmann, DrägerLembke und wie sie alle heißen. Lest sie aber alle, sowohl den einen als auch den anderen. Sonst entsteht eine Entweder-Oder-Position und ihr seid in einer Filterblase gefangen. Ich empfehle in diesem Zusammenhang die Lektüre vierer von fünf Blogbeiträgen, 
Ich finde die Blog aller drei sind differenziert, nehmen unterschiedliche Perspektiven und Positionen ein und bieten somit einen Mehrwert (der Begriff musste fallen ;-) – danke Axel und Gerhard für die dazupassenden Beiträge).

Freitag, 5. Januar 2018

Erinnerungen an mein Unterrichtspraktikum #refisbelike #upi

Bob Blume ruft zur Blogparade #refisbelike auf. Und obwohl ich nicht zu 100% in die Zielgruppe passe, möchte ich dennoch einen Beitrag dazu liefern. Warum ich nicht ganz in die Zielgruppe passe? Nun, ich habe kein Referendariat gemacht, sondern das in Österreich übliche Unterrichtspraktikum, liebevoll Probejahr genannt. Wikipedia erklärt den Unterschied knapp.

Und auch wenn das Unterrichtspraktikum mit all seinen Begleiterscheinungen manchmal unangenehm sein kann und zu meiner Zeit auch noch ein wenig redundant in den Ausbildungsinhalten (gleiche Inhalte in der pädagogischen Ausbildung an der Universität wie begleitend während des Probejahres) war, so gibt es dennoch weit weniger Horrorgeschichten als in Deutschland. Oder wir waren damals einfach schlechter vernetzt. Klar, abschreckende Beispiele gab es damals auch, aber retrospektiv war alles gar nicht so schlimm.

Ich habe mein Probejahr 2008/09 am BG/BRG/MG Dreihackengasse abgeleistet. Die Schule und auch die meisten Lehrenden habe ich gut gekannt, da ich selbst in dieser Schule maturiert habe und nach wie vor an die Qualität der Schule glaube. Für mich gab es also keine zweite Wahl und ich war sehr froh, dass ich so zugeteilt wurde. Mit meiner Fächerkombination Französisch/Italienisch bin ich eben auch ein wenig eingeschränkt.

Quelle: Pixabay (CC0)

Jedenfalls möchte ich mehrere Dinge teilen, darunter meine beiden „Lehrproben“, mein liebstes Hoppala und mein wichtigstes Learning.

Ich hatte vierte Klasse (8. Schulstufe) in Französisch und eine sechste Klasse aus dem Musikgymnasium (10. Schulstufe) in Italienisch und so richtig Glück mit den beiden Klassen. Gespickt mit interessanten Persönlichkeiten waren beide Klassen gleichsam herausfordernd und absolut liebenswert. Und auch meine beiden Mentorinnen (Betreuungslehrerinnen) waren echte Goldschätze, die mich von Anfang an absolut frei agieren ließen. Ich durfte selbst entscheiden, wurde bei allem unterstützt und beide hatten immer ein offenes Ohr für mich. Das Paradies für eine Upi (so werden die Unterrichtspraktikanten liebevoll genannt).

Meine „Lehrprobe“ in Französisch

Wie auch in Deutschland gibt es in Österreich Lehrproben. Betreuungslehrer/in und Direktor/in besuchen den Unterricht – meist angekündigt. Bei mir war es in Französisch eher unangekündigt. Und meine „Kleinen“ (so nannte ich die vierte Klasse liebevoll) konnte manchmal doch sehr lebhaft sein. An diesem Tag aber – und es war noch dazu eine Stunde knapp vor einer Schularbeit – waren sie mustergültig. Ich weiß noch, dass wir viel Grammatik wiederholt haben, auch viel Wortschatzarbeit gemacht und am Ende durften sie eine Geschichte als Comic darstellen. Ich sah in der Vorbereitung Stifte fliegen und hörte laute Diskussionen. Aber nix da. Sie saßen „brav“ da, zeigten auf, der Blick nach vorne zur Tafel. Ich traute meinen Augen nicht – ein seltsames Gefühl, wenn eine lebhafte Klasse plötzlich so unlebhaft ist. Naja, die Direktorin verließ die Stunde ein wenig vor dem Läuten. Durchatmen in der Klasse. Eine Hand nach oben. „Frau Professor, nächste Stunde sind wir aber wieder normal.“ Mein verdutzter Blick muss Bände gesprochen haben. „Naja, wir wollten heute besonders brav sein, weil Sie ja beobachtet wurden.“ Ich muss heute noch lächeln, wenn ich an die Stunde denke.

PS: Das war auch die Klasse, die aus Protest, weil sie an einem steiermarkweiten Streik nicht mitmachen durfte, eine Stunde am Boden sitzend verbrachte. Keine Hefte, keine Stifte, kein Blick auf die Tafel. Alle versammelt protestierend am Boden mit einem Hang zur Diskussion. Die Stunde stand damals unter dem Thema „faire la grève“ und es war eine der authentischsten Stunde überhaupt.

Meine „Lehrprobe“ in Italienisch

Meine Lehrprobe Italienisch war angekündigt. Ich weiß nicht mehr genau, was wir damals inhaltlich gemacht haben, ich erinnere mich nur an einen kleinen Moment. Der Horror für viele Sprachlehrende ist jener, wenn man nach einem Wort gefragt wird, für das man keine Übersetzung parat hat. Heute würde ich meinen Schülerinnen und Schülern einfach sagen: Schnappt euch das Smartphone und googelt. Damals war ich weniger Schlagfertig. Ich weiß ehrlich nicht mehr, was wir inhaltlich an diesem Tag gemacht haben, aber plötzlich die Frage: „Wie nennt man auf Italienisch das Wagerl, mit dem Grubenarbeiter in die Grube fahren?“ Heute weiß ich, dass es sich – auf Deutsch – um einen Hunt handelt. Auf Italienisch spricht man von Vagonetto Decauville. Ich denke, ich werde das Wort nie vergessen. Wir haben uns damals auf eine Umschreibung geeinigt – dank Aushilfe meiner Mentorin. Der Moment war auch nur kurz unangenehm, weil wir uns alle angeschaut haben: a) Wie kommt man auf so ein Wort? b) Ich kenne das Wort nicht mal im Deutschen. c) Das ist jetzt echt authentisch – also los, finden wir eine pragmatische Lösung – also Umschreibung. Außerdem kam aus der letzten Reihe ein äußerst liebevolles "Bist alt genug. Schau halt im Wörterbuch nach. Die Frau Professor ist kein Wörterbuch." Heute würde ich Google fragen (lassen).

Mein Hoppala

Mit zwei Sprachen als Schulfächern habe ich genau das studiert, was mich interessiert und wofür ich lebe. Dass es dabei zu Verwechslungen, Fauxamis und lustigen Situationen kommen kann, war mir klar. Dass es in der ersten Stunde passiert, war dann doch lustig. Erste Stunde Französisch: Wir stellen uns vor. Was ist eure Lieblingsfarbe? Was ist euer Lieblingstier? Was esst ihr am liebsten? Die Schüler/innen waren eifrig bei der Sache. „Frau Professor, was heißt bitte ‚Schildkröte‘ auf Französisch?“. Ich schreibe das Wort an die Tafel. Am Ende der Stunde sammle ich die kurzen Steckbriefe ab und beginne zu korrigieren. Irgendwann werde ich stutzig. Vielleicht kennen das auch andere, aber wenn man mehrfach eine falsche Lösung gelesen hat, stellt man sich selbst in Frage und überprüft die eigene, richtige Lösung, weil sie ja falsch sein könnte. Ich jedenfalls hatte mehrfach „la tartarugue“ gelesen. Eine klassische Französierung des italienischen Worts „la tartaruga“ für das französische Wort „la tortue“. Passiert mit immer wieder. Und ist immer wieder lustig…

Mein wichtigstes Learning

Wenn man mit dem Unterrichtspraktikum beginnt, wird man zunächst mit einer Rechtsschulung „gequält“, die super wichtig ist, aber – zumindest in meinem Jahrgang – eher mäßig in der Qualität war. Jedenfalls waren wir alle danach verwirrter als davor. Meine Mentorinnen haben die Verwirrtheit aber gut aufgelöst und mir die für mich wichtigste Botschaft mit auf den Weg gegeben, die ich auch meinen Studierenden mitgebe. Kurz zusammengefasst: Bleib authentisch und zieh dein Ding durch! Konkret ging es um die „richtige“ Art zu korrigieren und die Erkenntnis, dass es nicht „den richtigen“ Weg gibt, sondern mehrere Wege, die allesamt richtig sein können. Und dass es wichtig ist, seiner Linie treu zu bleiben und sich nicht zu verbiegen. Eine schöne Botschaft, wie ich finde.

Donnerstag, 4. Januar 2018

Wir teilen (noch) nicht (ausreichend)

Neues Jahr, neuer Blogpost, altes Thema: Offenheit beim Unterrichten und offene Materialien für den Unterricht. Vielleicht bin ich nur sehr sensibel auf das Thema, vielleicht funktioniert einfach meine Filterblase sehr gut. Aber in den letzten Wochen sind einige sehr interessante Beiträge in meine Timeline gespült worden, die ich hier gerne kommentiert zur Verfügung stellen würde. Ich versuche auch, sie in passende Kategorien zu packen, damit man leichter damit arbeiten kann und die passenden Beiträge findet, wenn man danach sucht. Einen davon gleich vorweg – der Hinweis auf den Public Domain Day. Wenn der Urheberrechtsschutz ausläuft, in Österreich als 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers bzw. der Urheberin, gehen die Werke in die Public Domain über. Hier eine Übersicht auf Wikipedia über Urheber/innen, die 1947 verstorben sind.

Quelle: Pixabay (CC0)

OER in der Schule

Leonhard Dobusch (@leonidobusch) hat einen Blogbeitrag mit dem Titel Mögliche Wege zum Schulbuch als Open Educational Ressource in Österreich verfasst, in dem er sich mit Möglichkeiten beschäftigt, Schulbücher als OER anzubieten aber dennoch den Anbietermarkt beizubehalten. Ausgangspunkt seiner Überlegungen ist eine Studie, die Salzburg Research im Auftrag des Bundesministeriums durchgeführt hat. Es handelt sich dabei um Eine Machbarkeitsstudie zu OER-Schulbüchern in Österreich, die auch auf der Seite des Ministeriums heruntergeladen werden kann und selbst CC lizenziert ist. Interessant sind dabei nicht nur die Überlegungen Dobuschs bzw. die Ergebnisse der Studie selbst, sondern auch der Hinweis auf der Seite des Ministeriums, dass als „offene“ Lizenzen CC BY, CC BY-SA und CC0 zu sehen sind. Dieser Hinweis wird auch beim Generieren der Attribuierung auf der Creative Commons Seite immer geliefert, gehört aber mE viel tiefer im Bewusstsein der Nutzer/innen verankert.

[Ergänzung] Zum Thema Schulbücher möchte ich auch auf den Artikel "Open Textbooks" verweisen, der die Notwendigkeit der Offenheit von Schulbüchern betont. Offene Schulbücher können individuell zusammengestellt und somit auch an das Zielpublikum angepasst werden, in Hinblick auf Diversität und die Feststellung Verlage stimmen Texte zu wenig auf Schüler ab eine absolute Notwendigkeit.

OER erstellen

Ich bin ja seit geraumer Zeit ein Fan von Tutory. Nicht nur, weil man damit einfach und unkompliziert ansprechende Arbeitsmaterialien erstellen kann, sondern weil man auch gleich zur offenen Lizenzierung des Materials angehalten ist und dadurch a) ein großes Pool an Materialien (auch als Ideenspender) zur Verfügung hat und b) an seine eigenen Grenzen stößt, wenn man Einzelelemente eines Arbeitsblattes lizenzieren möchte, aber nicht weiß, welche Lizenz man wählen soll, weil das Material nicht lizenziert ist. Das klingt jetzt komplizierter als es ist. Tutory hilft beim Erstellen von Materialien und ich kann es jedem und jeder nur empfehlen. Klar gibt’s noch ein paar Kinderkrankheiten, aber das Team hinter Tutory (@tutoryde) arbeitet mit Nachdruck an der Behebung und reagiert auf Wünsche, Anregungen und Kritik.

Ein zweites interessantes Tool ist das OER Pad, dessen Inhalt, wenn nicht anders angegeben, automatisch unter CC0 steht. Dieses (Ether-)Pad ist, glaube ich, im Zuge der OER.de entstanden und ich finde die Idee einfach spannend.

Gerade beim Zusammenmixen unterschiedlicher Lizenzen muss man auf die Kompatibilität aufpassen. Eine Übersicht hilft dabei, die passenden Kombinationen herauszufinden.

[Ergänzung] Danke an Isabell Grundschober (@IsabellGru) für den Hinweis auf den Report Open by Default?, in dem es ebenfalls um Attribuierung und die Notwendigkeit geht, offenes Material zu verwenden (Stichwort: Wissenschaft vs. Lehre).

Wer sich nicht sicher ist, wie OER geht, kann sich Jöran Muuß-Merholz (@joeranDE) Buch Freie Unterrichtsmaterialien finden, rechtssicher einsetzen, selbst machen und teilen kaufen oder aber die Seite von iRights.info (@irightsinfo) studieren, beispielsweise Kombinieren, Bearbeiten, Remixen: OER richtig verwenden oder Neue Version: Leitfaden zu Rechtsfragen bei E-Learning und Lehre.

Für den Bereich der Hochschullehre möchte ich auf eine Publikation des Forum Neue Medien in der Lehre Austria (@fnm_at) verweisen. Es gab im abgelaufenen Jahr eine Arbeitsgruppe „Open Educational Resources“, deren Ergebnis ein Konzept zur OER-Zertifizierung an österreichischen Hochschulen ist. Dieses Konzept kann auf der Webseite von fnm-a heruntergeladen werden und steht unter CC BY.

Mythen rund um OER

OER sind nicht zwangsläufig gratis. Sie sind nicht zwangsläufig schwer zu erstellen. Sie sind nicht schlechter in der Qualität. Sie sind nicht Einzellösungen. OER sind nicht unfair, weil man dafür nichts bezahlt bekommt. OER sind nicht sinnlos, weil sie ohnehin/ eh nicht genutzt werden. OER sind nicht egal. Vor lauter Nicht-Meldungen klingt dieser Absatz relativ negativ, aber das sind Antworten, die ich immer wieder in meinen Workshops gebe. Rund um OER kreisen so viele Mythen und Irrglaube. iRights.info hat sich die Mühe gemacht, auf Drei Mythen über Open Educational Resources drei verbreitete Mythen zu busten.

Einen Rückblick auf 10 Jahre Cape Town Open Education Declaration inklusive interessanter weiterführender Beiträge und Postings gibt Jochen Robes (@jrobes) in seinem Blogbeitrag CPT+10: A Bright Future for Open Education und betont dabei vor allem, dass OER noch keine Selbstverständlichkeit sind. In den letzten Jahren ist zwar viel passiert, aber der Weg ist noch mindestens einmal so lang. In eine ähnliche Kerbe schlägt der Autor auch in einem Blogbeitrag vom 3. November 2017: Mein Wochenausklang: Über einige Herausforderungen mit OER.

Quelle: Pixabay (CC0)


OER suchen und finden

Ein Argument, das ich immer wieder höre, wenn ich über die Vorteile von OER spreche, ist die langwierige Suche nach Materialien, die man auch verwenden darf. Abgesehen davon, dass ich eigentlich immer nur Materialien verwenden sollte, die ich verwenden darf, gibt es spezielle Suchmaschinen, die gezielt nach OER suchen. Creative Commons hat mittlerweile zwei Suchmaschinen herausgegeben, eine erste und eine zweite Version, wobei zweitere den besonderen Vorteil hat, dass sie auch die Attribuierung bereits richtig setzt und man sich keine Gedanken darüber machen muss, alle Informationen und Verlinkungen richtig zu setzen. Sie ist jedoch noch Beta und funktioniert nicht immer einwandfrei (d.h. es werden nicht immer alle Datenbanken durchsucht, weshalb es manchmal zu sehr eingeschränkten Ergebnissen kommt).

Eine weitere praktische Suchhilfe bietet das OERhörnchen (@OERhoernchen) an, mit dem nicht nur nach Materialien sondern auch nach OER-Projekten gesucht werden kann. Und wer lieber weiterhin googeln möchte, kann unter Erweiterte Suche ganz unten unter Nutzungsrechte die letzte Variante auswählen.


Bild- und Mediendatenbanken

Ich habe schon mehrfach Überblicksseiten gepostet, die freie Bilder oder freie Musik zur Verfügung stellen. Hier sind noch weitere:

  • Die Seite Legal Music For Videos wird von Creative Commons selbst gepflegt und reiht sich in eine ganze Serie von Übersichtsseiten des Vereins ein. Man kann dies auf der rechten Seite sehen.
  • Der Medienpädagogik Praxisblog hat unter Freie Musik eine lange Liste an Ressourcendatenbanken gesammelt (Ähnliches gibt es auch für Freie Fotos). Besonders vorteilhaft ist der Umstand, dass die einzelnen Quellen hier auch kommentiert sind und man sich gut zurecht findet.
  • 14 Websites To Find Free Creative Commons Music ist eine Seite von MakeUseOf, die ich sehr gerne konsultiere. Hier werden 14 Webseiten genannt, auf denen man Musik finden kann, die unter CC-Lizenz stehen. Auch Verlinkungen zu weiteren Beiträgen, u.a. zu Bilddatenbanken, sind auf der Webseite zu finden.
    • Musik unter CC0-Lizenz zu finden, ist schon recht schwierig. Aber auf Soundcloud findet man z.B. WOWA und auf Free Music Archive gibt es eine Suchfunktion speziell nach Public Domain, um nur zwei Quellen zu nennen.
  • Wenn man mit dem Gedanken spielt, offen lizenzierte Musik in Filmen oder Videos zu verwenden, muss einiges bedacht werden. iRights.info hat die wichtigsten Punkte unter Musik und Sounds für meinen Film kompakt zusammengefasst.