Montag, 10. April 2017

Gastbeitrag Oliver Leersch: Social Media

Der Begriff „Fake News“ wurde in letzter Zeit durch politische Wahlkämpfe geprägt. Seit dem Aufkommen der Social-Media mit dessen einhergehenden weltweiten Vernetzung von Usern, ist das Verbreiten von falschen oder unwahren Nachrichten leichter wie nie zuvor. Dennoch ist zwischen mutmaßlich falschen verbreiteten Nachrichten und einfach nur fehlerhaft erstellten Nachrichten zu unterscheiden. Erstere werden meist zum Kundenfang, durch zum Beispiel Clickbaits, oder von politischen Lagern zur Stimmungsmache verbreitet. Ziel ist dabei das gezielte Desinformieren oder die persönliche Bereicherung. Fehlerhafte Übersetzungen oder Tippfehler können zur zweiten Art der „Fake News“, den fehlerhaften News, führen. Diese unterscheiden sich von den mutmaßlich falsch verbreiteten Nachrichten durch ihre fehlende Intention, wissentlich falsche Information zu verbreiten, und können im Journalistischen Alltag immer wieder passieren. (derstandard.at)

Folgende zehn Strategien, die zum Teil aus folgendem Artikel von derstandard.at stammen, sollen dabei helfen, falsche oder unwahre Informationen zu erkennen:

Reißerische Titel

Ist ein Titel einer Story besonders reißerisch aufgemacht, so sollten die ersten Alarmglocken schrillen. Titel wie zum Beispiel „Ein Komet rast auf die Erde zu!“ oder „KREBS-ANGST!“ können ein erstes Anzeichen für einen, auf den Titel folgenden, nicht besonders gut recherchierten Artikel sein. Durch solche Titel sollen Emotionen geschürt und Leute zum Lesen animiert werden. Dabei spielt auch immer der Umgang mit den persönlichen ureigenen Ängsten eine zentrale Rolle. Daher merke: Reißerische Titel hinterfragen.

Fehlende Quellenangaben

Der nächste Punkt um unwahre Informationen zu erkennen, liegt in den fehlenden Quellenangaben zu behaupteten Fakten. Werden in einem Artikel Fakten dargebracht, so ist es in der journalistischen Arbeitsweise Usus, dass die Quellen zu diesen Fakten angegeben werden. Fehlt die Quellenangabe so kann dies darauf geschlossen werden, dass sich der Autor die Zahl ausgedacht oder falsch interpretiert hat. So kann dann aus einem Familienstreit eine weitumspannende Familienfehde mit Hunderten involvierten Mitgliedern werden oder aus dem Verlust einer Geldbörse wird ein Bankraub mit Geiselnahme.

Fragwürdige Quellen

Quellen sind nicht gleich Quellen. Ein Tweet einer Person ist noch keine verlässliche Quelle für stichhaltige Hintergrundinformationen. Auch ein Post auf Facebook, und sei es auch der eines Politikers, ist ebenso keine gute Quelle für Informationen. Nachrichtenportale, die in akribischer Kleinstarbeit Informationen sichten, wie zum Beispiel die Austria Presse Agentur APA oder wissenschaftliche Publikationen stellen eher vertrauenswürdige Quellen dar. Generell gilt, Quellen immer zu hinterfragen. Gute Quellen halten dabei jeglicher Prüfung stand, wohingegen fragwürdige Quellen meist bereits bei der ersten kritischen Betrachtung in sich selbst zusammenfallen.

Verschwörungstheorien

Werden Verschwörungstheorien als Wahrheiten dargebracht, so lässt dies auf nicht allzu seriösen Journalismus schließen. Nachrichten wie „Wir waren NIE auf dem Mond!“, „Die Erde ist flach! Hier die ganze Wahrheit!“ oder „Die Echsenmenschen sind unter uns! Rette sich wer kann!“ können meist schon innerhalb kürzester Zeit als falsch enttarnt werden. Verstecken sich die Verschwörungstheorien aber im laufenden Text eines Artikels, so kann es mitunter schwer werden, diese als solches umgehend zu erkennen. Hier ist es besonders wichtig, dubiose Fakten zu hinterfragen und gegebenenfalls den eigenen Verstand zu aktivieren. Verschwörungstheorien sind dabei meist so fantastisch, dass nur eine kurze Denkpause von Nöten ist, um diese zu entlarven.

Emotionale Sprache

Ist der Artikel in einer emotionalen und aufgebrachten Sprache verfasst, so lässt dies auf einen persönlichen Bezug des Verfassers zum Beitrag schließen. Dieser persönliche Bezug des Autors verhindert aber eine objektive Berichterstattung. Da diese objektive Betrachtung jedoch essentiell für einen guten journalistischen Beitrag ist, kann eine zu emotionale Sprache als Ausschlusskriterium herangezogen werden.

Rückführende Bildersuche

Auf images.google.com lässt sich durch Angabe der URL des Bildes umgehend feststellen, ob das in der Nachricht verwendete Bild, schon früher einmal verwendet wurde. Des Weiteren lässt sich dadurch auch feststellen, ob das Originalbild verändert wurde. So lassen sich manipulierte oder fälschlich verwendete Bilder im Handumdrehen enttarnen. Verwendet eine Nachricht gefälschte, oder in einem anderen Kontext stehende, Bilder, so kann davon ausgegangen werden, dass es sich um eine vorsätzlich falsche Nachricht handelt, deren Informationsgehalt keiner Beachtung würdig ist.

Suchportale zu Falschmeldungen

Im Internet gibt es eine Reihe von Suchportalen zu Falschmeldungen. Unter http://hoaxmap.org/ findet man eine große Anzahl an Falschmeldungen zum Thema Flüchtlinge. Unter http://hoaxsearch.com/ kann man nach Falschmeldungen suchen und das Portal http://www.mimikama.at/ beschäftigt sich ausgedehnt mit Fehlinformationen. Aber auch hier gilt der Grundsatz der Skepsis, denn auch hinter diesen Portalen stehen Menschen, die Fehler machen können oder eigenen Interessen gegebenenfalls vertreten.

Youtube Data Viewer

Mit Hilfe des Youtube Data Viewer, den man unter https://www.amnestyusa.org/sites/default/custom-scripts/citizenevidence/ aufrufen kann, lassen sich die Metadaten eines Youtube Videos einsehen. So kann man zum Beispiel sehr schnell erkennen, wann ein Video hinaufgeladen wurde. Heißt dann ein Video zum Beispiel „Unglaublicher Flugzeugcrash in Graz am 7.1.2017“ und der Youtube Data Viewer ergibt einen Originalupload am 13.5.2015, so ist die Falschmeldung enttarnt. Des Weiteren lassen sich mit diesem Tool Thumbnails aus dem Video abrufen, mit denen man durch die rückführende Bildersuche die Echtheit des Videos zusätzlich überprüfen kann.

Hilfreiche Tools

Unter http://verificationjunkie.com/ findet man hilfreiche Tools, die das Enttarnen von Falschmeldungen erleichtern sollen. Diese kleinen Hilfsprogramme können eine Erleichterung darstellen, geben aber keine hundertprozentige Sicherheit, dass eine News nicht doch falsch ist. Deshalb kommt jetzt noch der wichtigste Punkt.

Immer skeptisch sein

Wer immer skeptisch ist und mit beiden offenen Augen umsichtig durch die Welt geht, der ist am besten vor Falschmeldungen gefeit. Es sollte immer jede, auch wenn sie noch so offensichtlich ist, Tatsache hinterfragt und auf deren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Dies gelingt am Einfachsten, wenn man immer skeptisch bleibt, da dieser Skeptizismus auch direkt ein Hinterfragen miteinschließt. Gerade gutgläubige Personen lassen sich viel zu oft von sogenannten Fake News beeinflussen, da dies auch meist den einfacheren Weg darstellt. Wer sich aber nicht hinters Licht führen lassen will, der sollte sich immer eine gesunde Portion Skeptizismus aufbewahren.

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